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Tabak-Kurznachrichten Juni/Juli 2002 
Klage gegen Tabakfirmen
Zigarettenfirmen werben in Jugendmagazinen und brechen damit ein Versprechen. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) will gegen die Vereinigung der Schweizerischen Zigarettenindustrie (CISC) Beschwerde einreichen. Diese würde gegen selbst auferlegte Einschränkungen verstossen, welche die CISC mit der Lauterkeitskommission der Werbebranche geschlossen habe. Die vereinigten Tabakfirmen haben bereits vor 10 Jahren versprochen, nicht in Zeitschriften zu inserieren, die sich an Personen unter 18 Jahren richten. Dennoch werben sie in genau diesen Magazinen für ihre Produkte. (Tages Anzeiger, 20.6.) Die SKS hat bei der Lauterkeitskommission nun Beschwerde eingereicht. (Tages Anzeiger, NZZ, sda, Börsennews, Solothurner Zeitung, 26.6.)

Rauchverbot für alle SBB-Reisenden?
Gemäss einer Umfrage der Zeitschrift Schweizer Familie, sagen 85% der Leserbriefschreiberinnen und –schreiber Ja zu einem Rauchverbot in den SBB oder befürworten zumindest eine Reduktion der Raucherabteile. Die Raucherabteile seien oft leer, die Nichtraucherabteile überfüllt. Rauchverbot ist bereits heute in Flugzeugen eine Selbstverständlichkeit, obwohl Flüge viel länger dauern als Bahnfahrten. Wahrscheinlich für Raucher kein Grund, auf das Fliegen zu verzichten. Auch in Bussen, Postautos und Cars gilt das Rauchverbot, wieso also sollten die SBB ein Sonderfall sein? (Schweizer Familie, 20.6.)

Kantonales Werbeverbot für Alkohol und Tabak zulässig
Die Kantone dürfen Plakatwerbung für Alkohol und Tabak verbieten. Das Bundesgericht hat eine entsprechende Regelung aus dem Kanton Genf abgesegnet und die Beschwerde von Firmen aus der Werbe-, Tabak- und Alkoholbranche abgewiesen. Die beschwerdeführenden Firmen hatten unter anderem einen Zusammenhang zwischen Werbung und Konsum bestritten. In einer 1978 veröffentlichten Botschaft des Bundesrates aber steht klar: «Das Ziel aller Werbung ist die Steigerung des Umsatzes. Würde dieses Ziel nicht erreicht, würden nicht Milliarden von Werbefranken ausgegeben.» Wo ein öffentliches Interesse – nämlich der Gesundheitsschutz der Bevölkerung – zur Debatte stehe, könne die Wirtschaftsfreiheit eingeschränkt werden. (Kleinreport, TxT, Neue Luzerner Zeitung, Aargauer Zetiung, Tages Anzeiger, 27.6., Corriere del Ticino, Tribune de Genève, Le Temps, 28.6.)

Raucher erwarten ärztlichen Rat
Raucher erwarten vom Arzt anlässlich einer Konsultation auf ihre Gewohnheit angesprochen zu werden. Rauchen ist in der Schweiz jährlich für 8000 bis 10000 Todesfälle verantwortlich und damit die Haupttodesursache. Viele Ärzte glauben, dass eine Beratung nichts bringt, wenn der Raucher nicht aufhören will. Doch die Patienten erwarten ärztlichen Rat. Zwischen 80 und 90 % der Befragten in einer Genfer Studie, wünschten sich eine Beratung und Unterstützung beim Rauchstopp. Für Hausärzte soll das heissen, dass sie das Thema ansprechen und ihren Patienten Unterstützung bieten sollen. (Medical Tribune, 14.6.)

Passivrauchen begünstigt Lungentumore
Passivraucher setzen sich der Gefahr aus, an einem Lungentumor zu erkranken. Andere Tumore, wie Magen-, Leber- oder Gebärmutterhalstumore können laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO durch Rauchen, nicht aber durch Passivrauchen verursacht werden. (Le Matin, Tages Anzeiger 21.6.)

Mit Kreativität gegen die Sucht
Über 1500 Jugendliche haben an der Tabakpräventionskampagne «Ich nicht» im Kanton Luzern mitgemacht. Achzehn Schulzentren beschäftigten sich während einem Jahr mit den verschiedenen Modulen, die zum Thema Nichtrauchen angeboten wurden: Theater- und Musikprojekte, Wettbewerbe, Nichtraucherverträge, Aussteigerprogramme. Die Beteiligung und die Umsetzung waren sehr erfolgreich. (Neue Luzerner Zeitung, 22.6.)

Experiment Nichtrauchen
Der glückliche Gewinner des Wettbewerbs Experiment Nichtrauchen war eine Mädchenklasse aus Wil. Am Wettbewerb nahmen 2100 Schweizer Klassen (40'000 Schülerinnen und Schüler) teil. Der Hauptpreis ist eine Klassenreise im Wert von CHF 20'000. (St. Galler Tagblatt, 25.6.)

Geschäft mit dem Rauch stösst an Grenzen
Drei grosse Zigarettenhersteller beherrschen den Schweizer Markt. Sie erzielen einen Umsatz von 3.5 Milliarden Franken. Trotz guter Standortbedingungen für Produktion und Administration machen sie sich auf härtere Zeiten gefasst. Die weltweiten Antiraucherkampagnen oder die Gefahr, die Politiker könnten dereinst den geschützten Inlandmarkt auf dem Altar der bilateralen Verträge opfern, sind berechtigte Bedenken der Zigarettenhersteller. (Aargauer Zeitung, Solothurner Zeitung, 1.7.)

Auch Graubünden und Thurgau für ein Tabakwerbeverbot
Der Kanton Graubünden wird noch in diesem Sommer prüfen, auf welchem Weg ein Werbeverbot für Tabak am besten durchgesetzt werden kann. Dies erklärte ein Sprecher des Justitzdepartements, nachdem das Bundesgericht das vom Kanton Genf ausgesprochene Werbeverbot für Alkohol und Tabak letzte Woche gestützt hat. (Die Südostschweiz, 1.7.) In einer Motion ersuchen EVP-Kantonsrätin und 39 Mitunterzeichner den Regierungsrat, geeignete gesetzlich Grundlagen für ein Verbot dieser Werbung auf öffentlichem Grund vorzubereiten. (Thurgauer Zeitung, 9.7.)

Rauchen soll nicht sofort teurer werden
Die nationalrätliche Wirtschaftskommission (WAK) folgt dem Antrag der Gesundheitskommission (SGK) nicht. Der Bundesrat kann das Päckli Zigaretten nur noch um 10 Rappen auf 4.90 Franken verteuern, was rund 70 Millionen Franken einbrächte. Deshalb will er seine Kompetenz erneuern, die Tabaksteuer schrittweise um 50 Prozent anzuheben. Die WAK lehnt die Erhöhung des Steuersatzes auf 80 Prozent ab. Auch sprach sich der Rat gegen die Schaffung eines Tabakpräventionsfonds aus, der von Herstellern und Importeuren zu finanzieren wäre. Der Ertrag sei für die AHV reserviert. (sda, 10.7., TxT, Le Matin, BZ, NZZ, NLZ, Corriere del Ticino, 11.7.)

Neues Jugendschutzgesetz in Deutschland
Der Wortlaut des Entwurfs eines neuen Jugendschutzgesetzes liegt vor. In Gaststättten, Verkaufsstellen oder sonst in der Öffentlichkeit dürfen Tabakwaren an Kinder und Jugendliche weder abgegeben noch darf ihnen das Rauchen gestattet werden. In der Öffentlichkeit dürfen Tabakwaren nicht in Automaten abgegeben werden. (Tabak, 20.6.)

Die Lust am Nichtrauchen
Das Experiment Nichtrauchen war auch dieses Jahr ein voller Erfolg. Zum Schluss der Aktion wurde ein grosser Kreationswettbewerb für Plakate und Rap-Songs ausgeschrieben. Der Rücklauf war sehr hoch, gegen tausend Plakate und Collagen und mehrere hundert Kassetten. Würden Sechst- bis Neuntklässler für eine Kampagne gegen das Rauchen verantwortlich zeichnen, hiesse der Schlachtruf: Abschreckung. Fotos von Raucherlungen, amputierte Glieder, schwarze Füsse und Kehlkopfgeschwüre sind auf den Plakaten massenhaft zu sehen. (Gesundheit Sprechstunde, 21.6.)

Tabak soll in der Sportwelt keinen Platz mehr haben
Sport und Rauchen sind unvereinbare Gegensätze. Sportverbände und –vereine, die dazu mehr als nur mit einem Kopf nicken wollen, können eine Charta unterzeichnen, mit der sie dem Tabak in der Sportwelt den Kampf ansagen. Spitzensportlerin Karin Möbes aus Grabs ist eine der Botschafterinnen für rauchfreien Sport. (Werdenberger & Toggenburger, 29.6.) Die Kampagne geniesst auch Unterstützung von aktiven Tessiner Sportlerinnen und Sportler wie Manuele Celio, J.-J. Aeschlimann, Flavia Rigamonti und Natascia Leonardi Akzeptanz durch ihre Präsenz im Unterstützungskomitee. (Corriere del Ticino, 13.7.)

Rekordbeteiligung am Rauchstopp-Wettbewerb
4114 Personen – so viele wie nie zuvor – beteiligten sich dieses Jahr am Rauchstopp-Wettbewerb der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention. Den Verzicht auf das Suchtmittel fördert die AT mit dem Wettbewerbspreis von 5000 Franken. Wie eine Umfrage unter den letztjährigen Wettbewerbsteilnehmern ergab, enthielten sich 46 Prozent elf Monate nach dem Wettbewerb noch immer des Nikotins. (sda, Internet-Newsletter, 4.7., Txt, 5.7. St. Galler Tagblatt, Le Courrier, der Rheintaler, 6.7.)




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